| BB00.40-P-0137-00A | Winterbetrieb mit Dieselkraftstoffen | Blatt 137.0 |
| 1 Allgemeines
Bei tiefen Außentemperaturen kann das Fließvermögen des Dieselkraftstoffes infolge Ausscheidung von Paraffinkristallen beeinträchtigt werden. Diese können Förderschwierigkeiten durch Zusetzen des Filters und/oder Verstopfung der Kraftstoffleitungen versursachen. Um solche Störungen zu verhindern, sind in den Wintermonaten Winter-Dieselkraftstoffe mit besserem Kältefließverhalten auf dem Markt. Diese sind in den meisten Fällen für die üblicherweise vorkommenden Außentemperaturen geeignet. |
Dieselkraftstoff mit verbessertem Kältefließverhalten In einigen Ländern wird von bestimmten Mineralölfirmen ein Dieselkraftstoff angeboten, der ein verbessertes Kältefließverhalten hat. Häufig werden in diesem Zusammenhang auch noch andere verbesserte Eigenschaften benannt. Wir empfehlen, nur solche Winter-Dieselkraftstoffe zu verwenden, denen vom Kraftstoff-Lieferanten dafür garantiert wird, dass sie bis -20 °C und darunter betriebssicher bleiben. |
| Abhilfemaßnahmen bei nicht ausreichender Kältefestigkeit
Wenn nicht rechtzeitig Winter-Dieselkraftstoffe zur Verfügung stehen oder wenn mit außergewöhnlicher Kälte gerechnet wird, ist es ratsam, vor Kälteeinbruch einen bestimmten von der zur erwartenden Außenlufttemperatur abhängigen Anteil von Petroleum oder Flugturbinen-Kraftstoff beizumischen. Das kann in Mitteleuropa je nach Landesnorm für Außenlufttemperaturen unter -9 °C bis -15 °C bei Verwendung von Winter-Dieselkraftstoff und unter 0 °C, bei Verwendung von Sommer-Dieselkraftstoff gelten. Für Fahrzeuge mit Kraftstoffheizung liegen diese Werte ca. 8 °C günstiger. Als Anhaltswert gilt, dass pro 5 Vol.-% Zugabe von Petroleum oder Flugturbinen-Kraftstoff eine Verbesserung der Kältebeständigkeit von ca. 1 °C erzielt wird. Dies ist als Notmaßnahme einzustufen; ein Dauerbetrieb wird nicht empfohlen, ebensowenig eine Zugabe von über 50 Vol.%. !Achtung! Bei einigen PKW-Fahrzeugen ist die Zumischung von Petroleum zur Verbesserung der Kältefestigkeit aufgrund möglicher negativer Effekte bezüglich der Schmierfähigkeit nicht erlaubt.Dies ist Bestandteil der Betriebsanleitung dieser Fahrzeuge und ist unbedingt zu beachten. Die Verwendung von Benzin ist aus Gründen der Verschlechterung der Schmierfähigkeit des Kraftstoffs und aus Sicherheitsgründen (Flammpunktsabsenkung) grundsätzlich verboten. |
Die Zugabe nach bereits erfolgter Paraffinausscheidung ist wirkungslos. Eine Abhilfe kann in diesem Fall nur eine Erwärmung des gesamten Kraftstoffsystems mit anschließender Zugabe bringen.
Aus Sicherheitsgründen ist die Kraftstoffmischung nur im Fahrzeugtank herzustellen. Beim Tanken ist der spezifisch leichtere Zusatzkraftstoff vor dem Dieselkraftstoff einzufüllen. Danach sollte der Motor anschließend noch so lange betrieben werden, bis im gesamten Kraftstoffsystem der gemischte Kraftstoff vorhanden ist. Wird das nicht gemacht, dann kann der ungemischte Kraftstoff im Gesamtsystem Betriebsstörungen hervorrufen. Statt Petroleum oder Flugturbinen-Kraftstoff kann auch ein freigegebener Fließverbesserer verwendet werden. Durch Zugabe von Petroleum oder Flugturbinen-Kraftstoff wird der Flammpunkt des Dieselkraftstoffes herabgesetzt. Dadurch erhöht sich die Gefahr im Umgang und bei der Lagerung mit diesem Kraftstoffgemisch, so dass die entsprechenden Sicherheitsvorschriften (siehe Blatt 112.0) unbedingt zu beachten sind. |
| 2 Fließverbesserer für Dieselkraftstoffe
Allgemeines Fließverbesserer können zwar das Ausscheiden von Paraffinen nicht verhindern, nehmen jedoch starken Einfluss auf Form und Wachstum der Kristalle. Beim Abkühlen bilden sich eine Vielzahl modifizierter Paraffinkristalle, die den Kraftstofffilter passieren können. Der Kraftstoff bleibt fließfähig bzw. filtrierbar, da die Bildung ungeeigneter Kristalle verhindert wird. 0,01 bis 0,2 Gew.-% solcher Zusätze können aus einem Sommer-Dieselkraftstoff einen Winter-Dieselkraftstoff machen bzw. Winter-Dieselkraftstoffe in ihrem Kälteverhalten weiter verbessern. Dabei darf nicht übersehen werden, dass die Wirksamkeit dieser Zusätze von der Herkunft des Rohöls, aus dem der Dieselkraftstoff gewonnen wurde, sowie der Verarbeitungsweise und der Zugabe von Fließverbesserern in der Raffinerie abhängt. Sichere Aussagen kann somit nur eine labormäßige Überprüfung der Filtrierbarkeit (Cold Filter Plugging Point) bzw. ein aufwändiger Prüfstandstest in der Kältezelle erbringen. Anwendung Dosierung und Zumischung von Fließverbesserern sind nicht unproblematisch, daher sind die Empfehlungen der Hersteller genau zu beachten. Fließverbesserer zeigen nur bis zu einem bestimmten Mischungsverhältnis gutes Ansprechverhalten; Überkonzentrationen können unter Umständen einen negativen Effekt hervorrufen und müssen daher vermieden werden. |
Bei Zugabe von Fließverbesserern sollte der Dieselkraftstoff eine Temperatur von mindestens 8 °C über dem Trübungspunkt (Cloud Point) haben, um eine gute Wirksamkeit zu erzielen. Da der Cloud Point jedoch in der Regel nicht bekannt ist, sollte die Kraftstofftemperatur bei Winter-Dieselkraftstoff mindestens +/- 0 °C und bei Sommer-Dieselkraftstoff mindestens +8 °C betragen. Die Zugabe nach bereits erfolgter Paraffinausscheidung ist wirkungslos. Eine Abhilfe kann in diesem Fall nur eine Erwärmung des gesamten Kraftstoffsystems bringen. Wird Fließverbesserer dem Dieselkraftstoff im Fahrzeugtank beigemischt, so sollte der Motor anschließend noch so lange betrieben werden, bis im gesamten Kraftstoffsystem der gemischte Kraftstoff vorhanden ist. Wird das nicht beachtet, dann kann der ungemischte Kraftstoff in den Leitungen und im Kraftstofffilter Betriebsstörungen hervorrufen. Fließverbesserer wirken sich bei einer Vielzahl von Dieselkraftstoffen positiv auf das Kälteverhalten aus. Eine Garantie dafür kann jedoch nicht gegeben werden, da sie bei einigen Dieselkraftstoffen keine Wirkung zeigen bzw. beim Zusammentreffen ungünstiger Faktoren das Kälteverhalten sogar negativ beeinflussen können, besonders bei Vorliegen von bereits optimal additivierten Dieselkraftstoffen (z. B. "-22 °C-Garantie"). Hier wird die nachträgliche Fließverbesserer-Zugabe nicht empfohlen. |